Trauerrednerin

Trauerrednerin

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser!

Mit einigen kurzen Gedanken möchte ich Ihnen vorstellen, was ich unter der Aufgabe des Trauerredners verstehe und was ich für wichtig halte.
Viele Menschen leben und sterben mit dem festen Vertrauen, dass ihre Heimat der Himmel ist und sie nach dem Tod in Gottes Liebe ewig leben.
Aber was ist mit den Menschen, die diesen Glauben nicht haben, davon garnichts erfahren haben, in ihrem Leben aus den verschiedensten Gründen mit der Kirche nicht mehr klar kamen, ganz bewusst sich von der Kirche und ihrer Botschaft distanziert haben? Aber auch viele Menschen, die noch Mitglied einer Kirche sind, können mit den Texten, Gebeten und Liedern die bei einer kirchlichen Feier üblich sind nicht mehr viel anfangen. Und das gilt auch für viele Gäste einer Trauerfeier.

Wir können Entscheidungen, eine Beisetzung ohne kirchliche Beteiligung zu wollen, nur respektieren. Aber wie gestalte ich dann eine Abschiedsfeier, ohne den Rahmen der christlichen Rituale und Gebete?

Als Trauerrednerin verstehe ich meine Aufgabe in zweifacher Weise:

Ich möchte die Angehörigen gut durch die Abschiedsfeier geleiten, ihnen einen bewussten, tröstlichen Abschied ermöglichen. Vor allem aber möchte ich die Einzigartigkeit des/der Verstorbenen aufzeigen, sozusagen im Namen der Trauergemeinde sein/ihr Leben und das, was von ihm/ihr bleibt würdigen.

Es kann ganz unterschiedliche Gründe geben, einen Trauerredner mit der Trauerfeier zu beauftragen:

  • Der Verstorbene ist kein Mitglied einer Kirche
  • Er oder sie hat vor dem Tod entschieden, dass kein Geistlicher die Trauerfeier gestalten soll (aus welchem Grund auch immer), obwohl die

Kirchenmitgliedschaft noch besteht

  • Der Verstorbene oder die Angehörigen haben einen besonderen Bezug zu einem Trauerredner
  • Ich habe eine Beerdigung von einem Trauerredner miterlebt und bin positiv beeindruckt von der Gestaltung der Feier
  • Es ist natürlich auch möglich, dass der Verstorbene kein Kirchenmitglied war, aber die Angehörigen einen christlichen Abschied für sich möchten.

Damit komme ich zu einem sehr wichtigen Punkt. Selbstverständlich nehme ich mir als Trauerrednerin Zeit für das Gespräch mit den Angehörigen. Sie ermöglichen mit dem, was sie erzählen und dem, was ich erspüre mir den Verstorbenen vorzustellen. Dabei ist klar, dass alle Erinnerungen nur Bruchstücke und Einzelwahrnehmungen sind. Und doch entwickelt sich ein Bild.

Die Angehörigen werden eingeladen, wenn sie mögen und in der Lage sind, sich an der Vorbereitung, der Gestaltung und auch der Durchführung der Feier zu beteiligen. Das kann in ganz unterschiedlicher Weise geschehen. Vielleicht erinnern sie sich an bestimmte Musik, Lieder die gesungen werden sollen, an ein Bild, das typisch ist für den Verstorbenen. Oder sie möchten einen bestimmten Text in der Feier gelesen haben oder selber vorlesen. Manchmal werden von anderen noch Abschiedsworte gesprochen. Was, in Absprache mit den Angehörigen, in die Feier einfließen soll und was ich an Gestaltung einbringen kann, stelle ich den Angehörigen in einem Entwurf für die Trauerfeier vor. Sie sollen wissen, was auf sie zukommt.

Grundsätzlich kann Jeder und Jede eine Trauerfeier halten. Aber vielleicht merken Sie, dass es einer guten Ausbildung bedarf, um dem Verstorbenen und den Angehörigen gerecht zu werden. Für mich geht es nicht, bei einem Trauerfall mein Konzept aus der Tasche zu ziehen, Daten und Namen entsprechend zu verändern, aber ansonsten alles gleich zu lassen... Das widerspricht der Einzigartigkeit eines jeden Menschen.

Meine Ausbildung zur Trauerbegleiterin hat mich sensibel gemacht für das Umfeld, in dem die Angehörigen sind. Das bewusste Erleben und Durchleben des Abschieds ist mir ein großes Anliegen. Die gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Bestatter, den Musikern auch mit den Floristen, alles das trägt zum Gelingen des Abschieds bei. Bei den Angehörigen und auch bei mir als Trauerrednerin. Ein bewusst erlebter Abschied, auch wenn er schmerzhaft und traurig ist, hilft den Angehörigen sich ihrer Trauer zu stellen und den Trauerprozess in Gang zu bringen.

Herzlichst
Ursula Schulte